Immer mehr Haltungs- und Rückenschäden

Orthopäden schlagen Alarm:  Laut Gesundheitsministerium haben 40 Prozent der Kinder Haltungsschäden, Tendenz steigend. 80 Prozent der Schulkinder haben verkürzte Muskeln. Immer mehr brauchen ärztliche Hilfe wegen schwerer Haltungs- und daraus resultierender Rückenschäden. Der Grund für immer mehr kleine Patienten der Orthopädie: so genannte Zivilisationsbedingte Erkrankungen, die in den schlimmsten Fällen zu schweren Deformierungen und Verkrümmungen der Wirbelsäule führen.

„Der Grund für die Haltungsschäden ist, dass die Kinder zuwenig Sport treiben, dass sie eine falsche Sitzposition haben, dass sie zu schwere Schultaschen haben und dass sie in der Regel zuwenig barfuß gehen,“ erklärt Prim. Josef Hochreiter, Leiter der Orthopädie im KH der Barmherzigen Schwestern in Linz.

Stichwort Schultasche: Sie soll nicht schwerer als 10 Prozent des Körpergewichtes sein, soll gut auf dem Rücken aufsitzen mit breiten Gurten und Polsterungen. Schwere Teile sollen rückennahe platziert werden. Ungeeignetes Schuhwerk kann ebenfalls zu Haltungsschäden führen. Daher beim Schuhkauf entsprechende Beratung einholen und so oft als möglich barfuss gehen. „Denn barfuß gehen bedeutet, dass Reize des Bodens weitergeleitet werden und zu einer Kräftigung der Unterschenkel und letztendlich zu einer Balancierung der Wirbelsäule führen,“ so Prim. Josef Hochreiter.

Und immer wieder der Appell der Ärzte, den Kindern mehr Bewegung zu ermöglichen.„Der Schlüssel liegt in der Bewegung. Die Wirbelsäule ist sehr komplex aufgebaut und bedarf einer guten Muskulatur. Doch die Muskeln werden nicht mehr so gefördert wie früher, es passiert sehr viel mehr vor dem Computer oder Fernsehgerät als man früher an der frischen Luft war – dadurch entstehen zivilisationsbedingt diese Haltungsschäden,“ so Oberärztin Anosheh Vakil-Adli, Spezialistin für Kinder-Orthopädie, Barmherzige Schwestern Linz. “Seit Anfang meiner Facharztausbildung habe ich mich auf Kinder und Neuroorthopädie spezialisiert. Es vergeht kein Mittwoch, an dem ich in der Kinderorthopädie-Ambulanz nicht Kinder mit Schmerzen am Bewegungsapparat treffe. Auch die Wirbelsäulendeformitäten nehmen leider zu bzw. werden von den zuständigen Schulärzten nicht rechtzeitig erkannt bzw. einem Arzt vorgestellt. Ich bin davon abhängig, dass mir die Kinder geschickt werden, und es kommen interessanterweise immer öfter Eltern von selbst, weil sie glauben, es passt etwas nicht. Meist ist es jedoch schon zu spät, bzw. die Wirbelsäule wirklich schon sehr schief, wenn es den Eltern auffällt.”

Denn auch wenn die zivilisationsbedingten Haltungsschäden in der Kindheit nur gering sind – wird nichts dagegen unternommen, drohen später im Erwachsenenleben massive Beschwerden.

(Quelle: http://kinder-lobby.at/2010/02/26/immer-mehr-haltungs-und-ruckenschaden/)